SWS - Praxishandbücher zur Gestaltungs-, Abwehr- und Durchsetzungsberatung

03. Handbuch Körperschaftsteuer
19a. Kapitel:
Praxis-Leitfaden Steuern - Kleinstkapitalgesellschaften nach dem Bilanzrechtsänderungsgesetz (MicroBilG): Merkmale für Kleinstkapitalgesellschaften; Vereinfachungen für Kleinstkapitalgesellschaften im Einzelnen; ergänzende Anwendung der Vorschriften für kleine Kapitalgesellschaften auf Kleinstkapitalgesellschaften
  1. Merkmale für Kleinstkapitalgesellschaften; anzuwendende Regelungen für kleine Kapitalgesellschaften (§ 267a HGB)

    1. Gem § 267a Abs. 1 S. 1 HGB sind Kleinstkapitalgesellschaften kleine Kapitalgesellschaften, die mindestens zwei der drei nachstehenden Merkmale nicht überschreiten:
      1. 350.000 Euro Bilanzsumme nach Abzug eines auf der Aktivseite ausgewiesenen Fehlbetrags (§ 268 Abs. 3 HGB);
        1. Die Bilanzsumme setzt sich aus den Posten zusammen,...
          • die in den Buchstaben A bis E des § 266 Abs. 2 HGB aufgeführt sind,
          • wobei bei Ausübung des in § 274a Nr. 5 HGB geregelten Wahlrechts der betreffende Buchstabe nicht berücksichtigt wird.
      2. 700.000 Euro Umsatzerlöse in den zwölf Monaten vor dem Abschlussstichtag;
      3. im Jahresdurchschnitt zehn Arbeitnehmer.
    2. Anzuwendende Regelungen für kleine Kapitalgesellschaften auf Kleinstkapitalgesellschaften
      1. § 267 Abs. 4 bis 6 HGB gilt entsprechend, § 267a Abs. 1 S. 2 HGB.
      2. Die in diesem Gesetz für kleine Kapitalgesellschaften (§ 267 Abs. 1 HGB ) vorgesehenen besonderen Regelungen gelten für Kleinstkapitalgesellschaften entsprechend, soweit nichts anderes geregelt ist, § 267a Abs. 2 HGB (s.u. Tz. 2 bis 13).

  2. Einsichtnahme in die Bilanz nach § 9 Abs. 6 S. 2 HGB

    1. Die Einsichtnahme in die Bilanz einer Kleinstkapitalgesellschaft (§ 267a HGB), die vom Recht nach § 326 Abs. 2 HGB Gebrauch gemacht hat, erfolgt nur auf Antrag durch Übermittlung einer Kopie.
  3. Bewertung nach § 253 Abs. 1 S. 5 ff. HGB

    1. Kleinstkapitalgesellschaften (§ 267a HGB) dürfen eine Bewertung zum beizulegenden Zeitwert nur vornehmen, wenn sie...
      • von keiner der in § 264 Abs. 1 S. 5 , § 266 Abs. 1 S. 4, § 275 Abs. 5 und § 326 Abs. 2 HGB vorgesehenen Erleichterungen
      • Gebrauch machen.
      1. In diesem Fall erfolgt die Bewertung der Vermögensgegenstände nach § 253 Abs. 1 S. 1 HGB, auch soweit eine Verrechnung nach § 246 Abs. 2 S. 2 HGB vorgesehen ist.
  4. Jahresabschluss und Anhang nach § 264 HGB

    1. § 264 Abs. 1 S. 5 HGB:
      1. Kleinstkapitalgesellschaften (§ 267a HGB) brauchen den Jahresabschluss nicht um einen Anhang zu erweitern, wenn sie...
        1. die in § 251 HGB und die in § 268 Abs. 7 HGB genannten Angaben,
        2. die in § 285 Nr. 9 Buchst. c HGB genannten Angaben und
        3. im Falle einer Aktiengesellschaft oder Kommanditgesellschaft auf Aktien die in § 160 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 des AktG genannten Angaben unter der Bilanz angeben.
    2. § 264 Abs. 2 S. 3 ff. HGB:
      1. Macht eine Kleinstkapitalgesellschaft von der Erleichterung nach § 264 Abs. 1 S. 5 HGB Gebrauch, sind nach § 264 Abs. 2 S. 2 HGB erforderliche zusätzliche Angaben unter der Bilanz zu machen.
        • Es wird vermutet, dass ein unter Berücksichtigung der Erleichterungen für Kleinstkapitalgesellschaften aufgestellter Jahresabschluss den Erfordernissen
          des § 264 Abs. 2 S. 1 ff. HGB entspricht.
    3. § 264 Abs. 3 HGB:
      • Betr. Ergänzungen beim Konzerabschluss.
  5. Besondere Bestimmungen für offene Handelsgesellschaften und Kommanditgesellschaften iS. des § 264a Abs. 5 HGB

    1. Macht die Gesellschaft von einem Wahlrecht nach § 266 Abs. 1 S. 3 oder S. 4 HGB Gebrauch, ...
      • richtet sich die Gliederung der verkürzten Bilanz
      • nach der Ausübung dieses Wahlrechts.
      1. Die Ermittlung der Bilanzposten nach § 264a Abs. 1 bis 4 HGB bleibt unberührt.
  6. Aufstellung verkürzter Bilanz nach § 266 Abs. 1 S. 4 HGB
    1. Kleinstkapitalgesellschaften (§ 267a HGB ) brauchen nur eine verkürzte Bilanz aufzustellen,...
      • in die nur die in den § 266 Abs. 2 und 3 HGB mit Buchstaben bezeichneten Posten
      • gesondert und in der vorgeschriebenen Reihenfolge
      • aufgenommen werden.
  7. Anwendung der Regelungen, die für kleine Kapitalgesellschaften gelten nach § 267a Abs. 2 HGB

    1. Die in diesem Gesetz für kleine Kapitalgesellschaften (§ 267 Abs. 1 HGB) vorgesehenen besonderen Regelungen...
      • gelten für Kleinstkapitalgesellschaften entsprechend,
      • soweit nichts anderes geregelt ist.
  8. Darstellung der Gewinn- und Verlustrechnung nach § 275 Abs. 5 HGB

    1. Kleinstkapitalgesellschaften (§ 267a HGB) können anstelle der Staffelungen nach § 275 Abs. 2 und 3 HGB Gewinn- und Verlustrechnung wie folgt darstellen:
      1. Umsatzerlöse,
      2. sonstige Erträge,
      3. Materialaufwand,
      4. Personalaufwand,
      5. Abschreibungen,
      6. sonstige Aufwendungen,
      7. Steuern,
      8. Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag.
  9. Größenabhängige Erleichterungen nach § 276 HBG

    1. Die Erleichterungen nach § 276 S. 1 oder 2 HBG gelten nicht...
      • für Kleinstkapitalgesellschaften,
      • die von der Regelung des § 275 Abs. 5 HGB Gebrauch machen.
  10. Rechnungslegung bei Zweigniederlassungen § 325a Abs. 3 HGB

    1. Bei der Anwendung von § 325a Abs. 1 HGB ist für die Einstufung einer Kapitalgesellschaft als Kleinstkapitalgesellschaft und für die Geltung von Erleichterungen bei der Rechnungslegung maßgeblich...
      • das Recht
      • des anderen Mitgliedstaates der EU oder das Recht des Vertragsstaates des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum.
    2. Darf eine Kleinstkapitalgesellschaft nach dem für sie maßgeblichen Recht die Offenlegungspflicht durch die Hinterlegung der Bilanz erfüllen,...
      • darf sie die Offenlegung nach 325a Abs. 1 HGB 
      • ebenfalls durch Hinterlegung bewirken.
      1. § 326 Abs. 2 HGB gilt entsprechend.
  11. Größenabhängige Erleichterungen für kleine Kapitalgesellschaften und Kleinstkapitalgesellschaften bei der Offenlegung nach § 326 Abs. 2 HGB

    1. Die gesetzlichen Vertreter von Kleinstkapitalgesellschaften können ihre sich aus § 325 HGB ergebenden Pflichten auch dadurch erfüllen, dass...
      • sie die Bilanz in elektronischer Form
      • zur dauerhaften Hinterlegung beim Betreiber des Bundesanzeigers einreichen und
      • einen Hinterlegungsauftrag erteilen.
    2. § 325 Abs. 1 S. 2 und 6 HGB ist entsprechend anzuwenden.
    3. Kleinstkapitalgesellschaften dürfen vom Recht nach § 326 Abs. 2 S. 1 HGB nur Gebrauch machen, wenn ....
      • sie gegenüber dem Betreiber des Bundesanzeigers mitteilen,
      • dass sie zwei der drei in § 267a Abs. 1 HGB genannten Merkmale für die nach § 267 Abs. 4 HGB maßgeblichen Abschlussstichtage
      • nicht überschreiten.
  12. Zeitliche Anwendung (MicroBilG)

    1. Die Erleichterungen nach dem Kleinstkapitalgesellschaften-Bilanzrechtsänderungsgesetz gelten...
      • erstmals für Jahres- und Konzernabschlüsse,
      • die sich auf einen nach dem 30. Dezember 2012 liegenden Abschlussstichtag beziehen.

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