SWS - Praxishandbücher zur Gestaltungs-, Abwehr- und Durchsetzungsberatung

10. Handbuch Altersvorsorge / Riester / bAV / Rürup
1. Kapitel/A:
Praxis-Leitfaden Steuern: Basis - Rente bzw. Rürup - Rente: Steuerlich geförderte Personen durch die Basis - Rente sind Selbständige, Freiberufler, Angestellte, Beamte / allgemeiner und zusätzlicher Sonderausgabenabzug für Rentenversicherungsbeiträge in der Aufbauphase; maximale Höchstbeträge p.a. von 20.000 EUR bzw. 40.000 EUR bei Ehegatten / nachgelagerte Besteuerung mit dem Besteuerungsanteil in der Auszahlungsphase; Besteuerungsanteil bei Rentenbeginn bis 2005 50 % und steigt bis 2040 jährlich um 2 v.H. / Rentenprodukte: klassische Rente oder fondgebundene Basis - Verträge; garantierte lebenslängliche Rentenleistungen mit Rechnungszins von 2,25 % (ab 2012: 1,75 %) und Überschussbeteiligung; bei fondgebundenen Basis - Verträge trägt der Anleger weiterhin das volle Risiko für seine Altersvorsorge / Das richtige Basis - Renten - Produkt: Vor- und Nachteile der Basis - Rente; Kostenfaktoren (Abschluss- und Vertriebskosten) / Gestaltungs- Tipps zur Basis - Rente; empfohlene Fachberatung; Basis - Rentenrechner als Entscheidungshilfe
 

 

  1. Vorteile und Nachteile der Rürup- bzw. Basis - Rente auf einen Blick / Gestaltungs-Tipps zur Rürup-Rente / Beratungsempfehlungen

    1. Vorteile:
      • Geförderter Aufbau einer kapitalgedeckten Altersvorsorge über Steuervorteile in der Aufbauphase durch den erhöhten Sonderausgabenabzug;
      • Die jährlichen Beitragszahlungen können flexibel gestaltet werden; eine Beitragsfreistellung ist auch möglich;
      • Garantierte Rentenleistungen mit Rechnungszins von 2,25 % (ab 2012: 1,75 %) und Überschussbeteiligung bei der sog. klassischen Rürup-Rentenversicherung (zur fondsgebundenen Rürup-Rente, s.u.);
      • Keine Anrechnung des Kapitals auf einen Rürup-Vertrag bei ALG II;
      • Hartz IV sicher;
      • Berufsunfähigkeits-, Erwerbsminderungs- oder Hinterbliebenenrente durch Zusatzversicherung ist möglich/zulässig;
      • Pfändungsschutz in der Aufbauphase;
      • Garantierte, lebenslange Rente ab 60. Lebensjahr;
      • Liquiditätsgewinn durch Steuerersparnis.
      1. Seit dem Jahressteuergesetzes 2007...
        • werden auch fondsgebundene Rürup-Verträge (z.B. Anlagen in Aktienfonds, Rentenfonds, Immobilienfonds oder Geldmarktfonds)
        • steuerlich begünstigt.
    2. Nachteile:
      • Gezahlte Versicherungs-Beiträge sind ab 2005 bis 2025 nur in Staffeln steigend steuerlich berücksichtigungsfähig;
      • Kein zusätzlicher Todesfallschutz;
      • Kein Kapitalwahlrecht, d.h. die Auszahlung erfolgt erst ab 60. Lebensjahr als Leibrente;
      • Nicht veräußer-, übertrag-, vererb- oder beleihbar;
      • Verfall des gesamten vorhandenen Kapitals bei Tod, kann jedoch durch Hinterbliebenenabsicherung des Ehegatten und der Kinder verhindert werden.
    3. Gestaltungs-Tipps zur Rürup-Rente:
      1. Die klassische Rürup-Rente: Die „bessere gesetzliche Rente“?
        • Ja, weil garantierte Leistungen mit Rechnungszins von 2,25 % (ab 2012: 1,75 %) und Überschussbeteiligung gewährt werden und die Rente aufgrund ihrer Kapitaldeckung nicht von der demographischen Entwicklung abhängig ist.
      2. Die klassische Rürup-Rente zum Nulltarif ?
        • Grds. (insbesondere bei Selbständigen) möglich, weil die Steuervorteile einschließlich der darauf entfallenden Erträge während der gesamten Ansparzeit tatsächlich höher sein können, als die selbst erbrachten Beiträge.
        • Weil die ergänzende Absicherung der Berufsunfähigkeit, der Erwerbsminderung sowie der Hinterbliebenenversorgung mit der Rürup-Rente kombiniert werden können, entfallen die Steuervorteile auch auf die Beiträge, die hierfür geleistet werden.
      3. Die klassische Rürup-Rente oder fondgebundene Rürup-Verträge?
        • Bei fondgebundenen Rürup-Verträgen trägt der Anleger weiterhin das volle Risiko für seine Altersvorsorge, d.h. das Wohl und Wehe seiner Versorgung steht ggf. weiterhin in den Sternen geschrieben!
      4. Richtbeispiel zum Liquiditätsgewinn durch Steuerersparnis:
        Ein Ehepaar, Ehemann Arzt (41 J.) mit eigener Praxis, Ehefrau (36 J.) mit 400 EUR Monatsgehalt in der Praxis des Ehemanns tätig, 2 Kinder im Alter von 5 und 7 Jahren, erzielt bis zum Rentenbeginn bei Zahlung von 14.000 EUR p.a. Pflichtbeiträge zur Ärzteversorgung durch den erhöhten Sonderausgabenabzug zu Altersvorsorgebeiträgen bei einem Steuersatz von 30% allein einen Liquiditätsgewinn von ca. 85.000 EUR.
        1. Weil die Rürup-Rente kein Kapitalwahlrecht beinhalten darf, wäre zu prüfen, ob ggf. ergänzend oder alternativ eine „reine“ Kapital-Lebensversicherung i.S. des § 20 Abs. 1 Nr. 6 EStG abgeschlossen wird.
          • Für die Hinterbliebenenabsicherung des Ehegatten und der Kinder werden verschiedene Modellvarianten angeboten.
  2. Steuerlich Geförderte Zielgruppe / Gestaltungs-Tipps zur Rürup-Rente

    1. Zum geförderten Personenlreis gehören...
      • Selbständige,
      • Freiberufler,
      • Angestellte,
      • Beamte.
    2. Selbständige und Freiberufler...
      • haben bei Neuabschlüssen
      • neben der Rürup-Förderung keine andere Möglichkeit mehr
      • sich eine steuerbegünstigte Altersvorsorge aufzubauen.
    3. Gestaltungs-Tipps zur Rürup-Rente:
      • Für den selbständigen GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführer besteht keine Rentenversicherungspflicht, d.h. er ist im Zweifel für seine Altersvorsorge selbst verantwortlich.
      • Das Rürup-Kapital ist auch für den für Gesellschafter-Geschäftsführer insolvenzsicher.
      • Neben Gesellschafter-Geschäftsführern einer GmbH zahlen vielfach auch angestellte Familienangehörige eines Unternehmers Beiträge zu den gesetzlichen Rentenversicherungen, obwohl sie dazu nicht gesetzlich verpflichtet wären.
        • Wer jedoch Beiträge ohne gesetzliche Verpflichtung zahlt, erwirbt grds. keinen Leistungsanspruch.
          Die Sozialversicherungsträger prüfen den Leistungsanspruch erst, wenn der Versicherte einen Leistungsantrag gestellt hat.
          Wer über seinen sozialversicherungsrechtlichen Status im Zweifel ist, sollte ihn daher bei der Deutschen Rentenversicherung Bund überprüfen lassen!
        • Vgl. im Einzelnen auch 1. SW, 58. Kapitel/B.
  3. Allgemeine und zusätzlich Rürup- bzw. Basisrenten - Förderung für Rentenversicherungsbeiträge als Sonderausgabe in der Aufbauphase 

    1. Allgemeine Förderung von (gesetzlichen und gleichgestellten) Rentenversicherungsbeiträgen durch den Sonderausgabenabzug nach § 10 Abs. 1 Nr. 2aEStG für Beiträge...
      • zur gesetzlichen Rentenversicherung;
      • zu den landwirtschaftlichen Alterskassen;
      • zu berufsständischen Versorgungseinrichtungen, die den gesetzlichen Rentenversicherungen vergleichbare Leistungen erbringen;
      • Beiträge zu Pensionsfonds, die wie Versicherungsunternehmen, den aufsichtsrechtlichen Regelungen des Versicherungsaufsichtsgesetzes unterliegen.
    2. Zusätzliche Rürup-Förderung nach § 10 Abs. 1 Nr. 2b EStG...
      • durch den erhöhten Sonderausgabenabzug
      • für Beiträge
      • zum Aufbau einer privaten, kapitalgedeckten Altersversorgung
      • ohne Kapitalwahlrecht,
      • in Form der sog. klassische Rürup-Rentenversicherung oder fondgebundenen Rürup-Verträgen (sog. Rürup- oder Basisrente, s.u. Tz. 6.).
      • Vgl. im Einzelnen auch 1. SW, 58. Kapitel/B
  4. Höchstbeträge abziehbarer Sonderausgaben insgesamt 

    1. Summe der begünstigten Vorsorgeaufwendungen, jedoch maximal ein Höchstbetrag von:
      • 20.000 bzw. 40.000 EUR bei Ehegatten
      • - Kürzung des Höchstbetrags für einen bestimmten Arbeitnehmer-Personenkreis
      • = Zwischensumme
      • - 38 % der Zwischensumme für den VZ 2012, wobei der v.H.- Satz der Kürzung bis 2025 jährlich um 2 v.H. abgesenkt wird
      • - steuerfreier Arbeitgeberanteil nach § 3 Nr. 62 EStG (bzw. gleichgestellte Beträge)
      • = abziehbare Vorsorgeaufwendungen
    2. Eine Günstigerprüfung von Amts wegen ist durchzuführen...
      • für den Sonderausgaben-Vorwegabzug für begünstigte Vorsorgeaufwendungen
      • zwischen dem Kj 2004 einerseits und
      • den jeweiligen Kj 2005 bis 2019 andererseits.
      1. Die Beiträge zur Rürup-Altersversorgung können jedoch zusätzlich zum Vorsorge-Höchstbetrag a.F. geltend gemacht werden,
        vgl. im Einzelnen 1. SW, 58. Kapitel/B, 1. SW, 58. Kapitel/D.
  5. Nachgelagerte Besteuerung mit dem Besteuerungsanteil in der Auszahlungsphase 

    1. Die Leistungen werden ab 2005 bis 2040 in die vollständige nachgelagerte Besteuerung überführt.
    2. Der Besteuerungsanteil dieser Bezüge beträgt laut aufgeführter Tabelle im Einkommensteuergesetz bei Rentenbeginn...
      • bis 2005: 50 % und
      • steigt bis 2040 jährlich um 2 v.H.
      • vgl. im Einzelnen 1. SW, 58. Kapitel/F.
  6. Das richtige Rürup- bzw. Basis - Renten - Produkt / Fachberatung?!

    1. Die klassische Rürup-Rente oder fondgebundene Rürup-Verträge?
      • Die sog. klassische Rürup- oder Basisrentenversicherung garantiert lebenslängliche Rentenleistungen mit Rechnungszins von 2,25 % (ab 2012 1,75 %) und Überschussbeteiligung.
      • Bei fondgebundenen Rürup-Verträgen trägt der Anleger weiterhin das volle Risiko für seine Altersvorsorge, d.h. das Wohl und Wehe seiner Versorgung steht ggf. weiterhin in den Sternen geschrieben!
      1. Soll das Rürup-Produkt kombiniert werden mit...
        • Hinterbliebenenabsicherung des Ehegatten und der Kinder,
        • einer Berufsunfähigkeitsrente?
      2. Sofort-Rente?
        • Bei der Sofort-Rente zahlt der künftige Rentenbezieher einmalig einen größeren Geldbetrag ein und bezieht ab sofort oder ab einem späteren Zeitpunkt eine Rente.
        • Von den Finanzdienstleistern werden auch diese Produkte z.T. als „steuerlich begünstigt“ beworben, weil die „Renten lediglich mit dem günstigen Ertragsanteil besteuert“ würden.
        1. Wenn man als Rentenbeginn das 60 Lebensjahr annimmt, beträgt der Ertragsanteil einer Leibrente nach dem Einkommensteuergesetz 32 %!
          Worin soll da der Steuervorteil liegen?
          Der einzige Steuervorteil könnte darin liegen, dass im Einzahlungsjahr ein Sonderausgabenabzug in Höhe der Rürup-Förderung in Betracht kommt.
    2. Kostenfaktoren bei der Basisrente?
      1. Abschluss- und Vertriebskosten
      2. Nach der Verordnung über Informationspflichten bei Versicherungsverträgen (VVG-Informationspflichtenverordnung - VVG-InfoVO) müssen...
        • seit 1.7.2008
        • beim Verkauf von Lebensversicherungen, Rentenversicherungen sowie privaten Berufsunfähigkeits- und Krankenversicherungen
        • die eingerechneten Abschlusskosten ausgewiesen werden !
    3. Fachberatung?
      1. Am Anfang vorausschauender, finanzieller Altersvorsorgeplanung steht stets unabhängige, fachlich umfassende Fachberatung geboten;
        Generationen Geschädigter aus der Familie der Hätte, Wenn und Aber können hierüber beredtes Zeugnis ablegen.
      2. Werbespots in Medien u.ä.?
        Wer das Abgenudle von Worthülsen in den unterschiedlichsten Varianten (z.B. „Die beste Rürup-Rente“, „Wechseln Sie zum Testsieger“, „endlich aufgeschobene Träume verwirklichen...“) für Beratungsersatz hält, hat vermutlich schon verloren!
      3. Beratung durch Finanzinstitute (z. B. Banken, Sparkassen, Versicherungsträger u.ä.)?
        Über die Qalität der Beratung im Allgemeinen informieren Sie sich vorab bei unanhängigen Instituten (z.B. Stiftung Warentest:, Hamburger Institut für Finanzdienstleistungen e.V. (iff), Verbraucherschutzorganisationen).
      4. Typisierte Versicherungsvergleichsrechnungen als Entscheidungshilfe?
        Hier dürfte gelten: Wer die Auswahlkriterien festlegt, bestimmt das Ranking; es ist daher zu hinterfragen, ob die Vergleichsrechnung neutral und unabhängig sowie ohne Verkaufs- und Vermittlungsabsicht erfolgt.
        Die jeweiligen „Testsieger“ sollten Sie lediglich in die nähere Auswahl einbeziehen; auch diese Produkte müssen zur Optimierung an Ihre persönliche und wirtschaftliche Lebenssituation angepasst werden.
      5. Steuerberater / Versicherungsberater?
        Egal, welche Vorsorge-Alternative in Betracht kommt; es dürfte stets ratsam sein, dass Sie vor Abschluss entsprechender Verträge Ihren Steuerberater und/oder einen gerichtlich zugelassenen Versicherungsberater als neutralen und unabhängigen Berater heranziehen.
  7. Rentenrechner als Entscheidungshilfe?

    1. Rentenrechner im Internet geben Ihnen erste Anhaltspunkte über die zu erwartende Rentenhöhe der verschiedenen Anbieter.
      Beim Vergleich der Anbieter sollte unbedingt auch deren bisherige nachaltige Zuverlässigkeit einbezogen werden.
    2. Die laufend aktuakisierten Ergebnisse der „Stiftung Warentest“ sollten aufgrund ihrer Objektivität hierbei mit bedacht werden.
  8. Elektronische Kommunikation mit der Finanzverwaltung

    1. Zur elektronische Übermittlung (Kommunikation) steuerrelevanter Unterlagen vgl. auch 1. SW, 6b. Kapitel01. Handbuch Einkommensteuer / Bilanzsteuerrecht
      Steuerleitfaden Prüfungsfelder, Checkliste) elektronische Übermittlung (Kommunikation) steuerrelevanter Unterlagen im Steuermonitor: Elektronische Übermittlung (Kommunikation) der Jahresabschlüsse, ESt- und KSt- Steuererklärungen, gesonderte Feststellungen und weitere Unterlagen; E-Bilanzen und E-GuV / Datenübermittlung nach der AltvDV / elektronische Kommunikation innerhalb der Finanzverwaltung / gesetzlicher Ausschluss der elektronischen Übermittlung / eigenhändige Unterschrift einer Steuererklärung; eigenhändige Unterschrift bei Fax-Übermittlung bzw. Vorlage einer Faxkopi


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